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News - Neuemissionen
26.03.2004
Siltronic Börsengang im Juni?
SdK AktionärsNews

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Der erste Börsengang des Jahres lässt weiter auf sich warten: Nach dem Halbleiterhersteller X-FAB hat am Mittwoch auch der Siliciumhersteller Siltronic (ISIN DE0007751307/ WKN 775130) den Gang aufs Parkett kurzfristig abgesagt, berichten die Experten von "SdK AktionärsNews".

Offiziell habe das Münchner Unternehmen Unsicherheiten an den Börsen nach den Terroranschlägen von Madrid als Grund genannt. Der Kursrutsch am Aktienmarkt und die Terrorangst hätten die Anleger verschreckt. "Über die weltpolitischen Ereignisse kann sich auch ein attraktives Unternehmen nicht hinwegsetzen", kommentiere Siltronic-Chef Wilhelm Sittenthaler die Absage. Institutionelle Investoren hätten zwar angeblich großes Interesse bekundet, Privatanleger hätten das Papier aber links liegen gelassen. Und das aus gutem Grund.

Warum sollten sie für eine defizitäre Firma fast 2 Mrd. Euro bezahlen und damit eine deutlich höhere Bewertung als bei vergleichbaren Unternehmen hinnehmen? Die von den beiden Konsortialführern Deutsche Bank und Morgan Stanley angebotenen Papiere seien nach Ansicht der Experten deutlich überteuert gewesen. Auch hätten Anleger nach den zahlreichen Pleiten der letzten Jahre kein Interesse mehr an Gesellschaften, die in der Vergangenheit nur rote Zahlen geschrieben hätten.

Wie katastrophal sich die Neuemissionen der letzten Jahre entwickelt hätten, würden die untenstehenden Performanceergebnisse einer Erhebung der Experten zeigen. Seit 1997 hätten 439 Firmen den Sprung an die Börse gewagt. Zu aktuellen Kursen hätten Anleger bei nur 8% aller Neuemissionen Gewinne verzeichnen können. Jede 4. Neuemission habe praktisch zum Totalverlust geführt. 339 Emissionen - rund 77% hätten Anlegern über 50% Verlust beschert. Fast wie aus Trotz habe die Postbank am Tag der Siltronic-Absage bekannt gegeben, dass man weiter am Plan eines Börsengangs festhalte. Die Erstnotiz solle sogar vorgezogen werden und schon im Juni erfolgen.

Die mit 11,5 Millionen Kunden größte Privatkundenbank in Deutschland habe 2003 vor Steuern ein um 25% auf 497 Mio. Euro gesteigertes Rekordergebnis erwirtschaftet. Nach zwei Jahren absoluter Flaute erscheine die Post mit langer Geschichte und stabiler Ergebnisentwicklung als weitaus geeigneterer Kandidat für den ersten Börsengang seit langem in Deutschland. Bleibe nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen bei der Preisgestaltung mehr Fingerspitzengefühl beweisen und endlich auch die Investorenbedürfnisse berücksichtigen würden.



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